Verbreitete Falschinformationen zum Thema Windkraft

In dieser Rubrik wollen wir weit verbreiteten Mythen und Falschinformationen zum Thema Windkraft den "Wind aus den Segeln nehmen" (ausnahmsweise ;)

 

Die angeblich hohen Kosten der Energiewende

Gegner der Energiewende machen oft auf die scheinbar hohen Investitionskosten von 1,2 Billionen Euro für die Umsetzung der Energiewende bis 2035 aufmerksam. Was Sie dabei jedoch völlig ignorieren ist, dass die Energiewende bis 2050 (also bereits 15 Jahre später) rund das 10fache dieses Invests an Kosten einspart.

"Setzt die Welt die Schnelle Energiewende mit Solar, Wind, Batterien und Wasserstoff schnell und konsequent bis 2050 um, werden Kosten von mindestens zwölf Billionen Euro vermieden."

"Die Forschenden bleiben hingegen bei dem Superlativ und sprechen nicht nur von einer Win-Win-Situation, sondern einem Win-Win-Win-Szenario. Neben niedrigeren Systemkosten als für fossile Brennstoffe, würde mehr Energie für die Weltwirtschaft bereitgestellt werden und der Zugang zu Energie für mehr Menschen auf der ganzen Welt ermöglicht."

Mehr dazu:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/energiewende-investitionen-kosten-eon-100.html

https://www.mdr.de/wissen/klimawandel-uebergang-erneuerbare-energie-spart-billionen-100.html

https://www.cleanthinking.de/schnelle-energiewende-2050-zwoelf-billionen/amp/

https://www.landundforst.de/energie/schnelle-energiewende-spart-kosten-milliardenhoehe-571079#:~:text=Mit%20schneller%20Energiewende%20mehrere%20Milliarden,zehn%20Milliarden%20Euro%20geringer%20ausfallen.

 

 

Der geringe Primärenergiebedarf bei Windkraft

In Anti Windkraft Flyern, die in der Region derzeit im Umlauf sind, wird u.a. behauptet, dass der „Anteil der Windkraft am Primärenergiebedarf „nur“ 3,5% entspricht. Die Zahl ist korrekt, aber was sagt sie eigentlich aus?

Primärenergie bezeichnet die Energie in ihrer natürlichen Form, bevor sie in nutzbare Energie umgewandelt wurde. Der Bedarf an Primärenergie beschreibt die Menge des Energiezuflusses in die Volkswirtschaft, aktuell größtenteils durch Öl, Kohle, Gas usw. 

Da hier alle Sektoren (Strom, Wärme und Verkehr) enthalten sind und diese maßgeblich noch fossil sind, ist der Anteil der Windkraft natürlich mickrig. Warum? Weil fossile Energieträger wie Kohle, Gas und Öl enorm viel Energie enthalten, aber - und das ist der entscheidende Punkt - davon durch Umwandlungsverluste relativ viel Energie nicht genutzt werden kann. 

Das heißt bei fossilen Energieträgern: enorm viel Primärenergie und damit ein ganz hoher Anteil beim Bedarf, aber relativ wenig Nutzenergie. Dasselbe bei Uran. Dieses enthält viel Energie, aber nur ein Drittel davon kann genutzt werden - noch weniger als bei der Verbrennung von Kohle.

Die Angabe der Primärenergie ist daher irreführend, wenn es darum geht zu beurteilen, ob eine Energiequelle den Bedarf in der Bevölkerung und der Industrie decken kann, denn entscheidend ist nur der Anteil den man für die Energieversorgung überhaupt nutzen kann und der ist bei erneuerbaren Energien wesentlich höher als bei konventionellen Energieträgern.

Primärenergie ist daher kein Argument gegen Windkraft, denn tatsächlich zeigt sie auf, wie schlecht die fossilen und nuklearen Alternativen sind.

Mehr dazu: 

https://www.klimareporter.de/strom/die-maerchenerzaehlung-mit-dem-primaerenergieverbrauch

 

 

Hohe, kontinuierlich steigende Strompreise durch den Ausbau von Windenergie

Im selben Flyer wird ein angeblicher Zusammenhang zwischen dem Strompreis und „20 Jahre Windkraftförderung“ hergestellt. Dazu wird eine Grafik mit den Strompreisen bis September 2022 gezeigt, die bei 52 Cent/kWh endet. Die 52 Cent kamen durch die hohen Gaspreise aufgrund der Knappheit zustande und weil wegen des Merit-Order Prinzips der Preis für das teuerste benötigte Kraftwerk (in diesem Fall Gaskraftwerke) den Preis für alle Kraftwerke festlegt, auch die günstigen Erneuerbaren. Warum hört die Grafik aber hier auf?

Ganz einfach: Weil sie die Argumentation gegen Windkraft nicht mehr stützten würde. Danach sind die Strompreise nämlich kontinuierlich gesunken. Aktuell (Mai 2024) liegt der durchschnittliche Strompreis pro Kilowattstunde bei 25,5 Cent und das obwohl zwischenzeitlich die letzten drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet wurden sowie weitere Kohlekraftwerke.

Die Grafik im September 2022 enden zu lassen und die Preisentwicklung der Energiekrise, ausgelöst durch den Russland-Ukrainekonflikt, der Windkraft anzuhängen, ist eine massive Irreführung und entspricht in keinster Weise den Tatsachen.

Tatsächlich hat Strom aus Onshore-Windkraftanlagen mit 3,94 bis 8,29 Cent/kWh zusammen mit Strom aus Photovoltaik die niedrigsten Gestehungskosten im Vergleich aller Stromerzeugungsarten und genau deshalb(!) sind unsere Strompreise auch gesunken.

Mehr dazu: 

https://strom-report.com/strompreise/strompreisentwicklung/

https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html

 

 

Unsere Industrie wandert wegen der hohen Strompreise ab

Aber nicht etwa ins Ausland, sondern in den Norden Deutschlands wegen der dort vorhandenen, günstigen Windenergie:

"Deutschlands industriepolitische Landschaft verschiebt sich gerade, und es ist der Norden, der dabei profitiert. Schleswig-Holstein und Niedersachsen, Brandenburg, und Sachsen-Anhalt: Die Länder, die in den vergangenen Jahren die Windkraft beherzt ausgebaut haben, sind heute für energieintensive Unternehmen besonders attraktiv. Denn Intel ist kein Einzelfall. Auch Teslas Gigafactory in Brandenburg etwa wäre ohne die vielen Windparks in der Region undenkbar gewesen."

Auch der schwedische Batteriehersteller Northvolt baut WEGEN der Windenergie in Deutschland eine riesige Fabrik:

„Das Unternehmen Northvolt wird seine dritte Batteriezell-Gigafabrik auf einem 110 Hektar großen Gelände in der Nähe von Heide im Kreis Dithmarschen, Schleswig-Holstein errichten. Die Fabrik wird im Endausbau mit einer Kapazität von 60 Gigawattstunden eine der größten Batteriezell-Fertigungsstätten in Deutschland sein. Northvolt arbeite bereits mit großen Herstellern wie VW und BMW zusammen, so Carlsson. Er sagt, in Dithmarschen wolle Northvolt die "grünste" Auto-Batterie der Welt bauen. Einer der Hauptgründe für den Standort sei der Strom durch die vielen Windkraftanlagen in der Nordsee und an Land, so Carlsson.“

Mehr dazu:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/northvolt-batterie-gigafabrik-2267104

https://energiewinde.orsted.de/energiewirtschaft/industrie-folgt-energie-standort-vorteil-norddeutschland-oekostrom-wasserstoff

 

 

Kernkraft, insbesondere der Dual Fluid Reaktor, als Alternative

Nach Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke (und zuletzt auch zusätzlicher fossiler Kraftwerke) ist der Strompreis nicht etwa gestiegen, sondern gesunken. Dies liegt an den niedrigen Gestehungskosten von PV und Windstrom, welche unterhalb fossiler und sogar deutlich unterhalb denen nuklearer Stromerzeugung liegen.

Auch wir sind grundsätzlich technologieoffen, halten aber nichts davon auf Technologien zu warten, die aktuell nur auf dem Papier existieren, wie der oft von Windkraftgegnern erwähnte Dual-Fluid-Reaktor, von dem es bisher weder einen Prototypen gibt noch verlässliche Angaben über dessen Sicherheit, Dauer bis zur Marktreife und den tatsächlichen Stromgestehungskosten. 

"Derzeit befasst sich ein deutsch-kanadisches Unternehmen mit der Entwicklung, bisher existiert der Dual-Fluid-Reaktor nur als ein frühes Konzept. Ein Dual-Fluid-Reaktor-Kraftwerk oder Prototypen gibt es noch nicht. Einzelne Aspekte wurden im Rahmen von Voruntersuchungen betrachtet, beispielsweise Teile der Reaktorphysik oder die Chemie der Wiederaufbereitungsanlage.

Für andere Aspekte, beispielsweise zur Reaktorsicherheit und zu Schutzsystemen, liegen noch keine Informationen zu vertieften Untersuchungen öffentlich vor.

Verglichen mit anderen alternativen Reaktorkonzepten befindet sich der Dual-Fluid-Reaktor in einem sehr früheren Entwicklungsstudium. Die Dauer, die nötig wäre, einen funktionsfähigen Dual-Fluid-Reaktor zu errichten, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf Basis der verfügbaren Datenlage nicht abschätzen."

Bis eine solche Technologie marktreif ist, dauert es viele Jahre und dann weitere Jahre bis geeignete Gebiete identifiziert wurden, entsprechende Genehmigungen vorliegen und der Bau letztendlich abgeschlossen ist. Als Referenz: Neu gebaute Kernreaktoren auf dem aktuellen technischen Stand wie in Flamanville (Frankreich) oder in Olkiluoto (Finnland) liegen bei 17-18 Jahren Bauzeit bei einer Kostensteigerungen von Faktor 4-6 im zweistelligen Milliardenbereich.

Mit kurzfristigen Lösungen durch neue Technologien, egal auf welcher Basis, ist nicht zu rechnen. Wir benötigen kostengünstige Lösungen, die heute verfügbar sind, sich in der Praxis bewährt haben und unsere Probleme und Herausforderungen von heute lösen. 

Mehr dazu:

https://www.base.bund.de/DE/themen/kt/kta-deutschland/neuartige-reaktorkonzepte/dual-fluid-reaktor.html

 

 

Günstiger Atomstrom

Immer wieder wird behauptet Strom aus Atomkraft sei günstig, dabei ist es mit Abstand die teuerste Art der Stromerzeugung.

"Eine Kilowattstunde (kWh) Atomstrom kostet bis zu 42,2 Cent. Die Windenergie liegt hingegen nur bei etwa 8,1 Cent/kWh."

Mehr dazu:

https://www.bund-sh.de/energie/atomkraft/hintergrund/die-wahren-kosten-von-atomkraft/#:~:text=Eine%20Kilowattstunde%20(kWh)%20Atomstrom%20kostet,8%2C1%20Cent%2FkWh.&text=Da%20f%C3%BCr%20den%20Bau%20von,nur%20f%C3%BCr%20gro%C3%9Fe%20Konzerne%20m%C3%B6glich.

 

 

Ausgediente Windräder können nicht recycelt werden 

Ist das so? Keineswegs.

"Stahl, Aluminium, Kupfer: Bei den meisten Materialien ist das Recycling einfach. Die übrigen Bestandteile von Windrädern sind schon heute in großem Maße recycelbar. Laut dem Umweltbundesamt können mehr als 90 Prozent in wiederverwertbare Einzelteile zerlegt werden. Bei ganzen Offshore-Windparks sind es sogar noch mehr."

Mehr dazu:

Zweites Leben für Rotorblätter

Terrassendielen aus recycelten Windrädern

 

 

Hohe CO2 Emissionen bei der Herstellung von Windkraftanlagen

Innerhalb von nur zwei Jahren haben sich die initialen CO2-Emissionen einer Windkraftanlage ausgeglichen. 

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie.

 

 

Gefahr durch Infraschall

Häufig berufen sich die Windkraftgegner auf die Studie „Der unhörbare Schall von Windkraftanlagen“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2005. Forschende der BGR hatten im Umfeld einer Windenergieanlage (WEA) Infraschallwerte von über 100 Dezibel gemessen und daraus abgeleitet, dass der Infraschall großer Windräder auch viele Kilometer weiter detektierbar sei.

Allerdings hat die BGR mittlerweile (2021) eingeräumt, dass die Studie einen massiven Rechenfehler enthält:

Die Lautstärke ist in Wirklichkeit 36 Dezibel geringer, also nur ein 1/4.000 des ursprünglich angegebenen. Mit der korrigierten Lautstärke liegt der Lärm der WEAs bereits in 150m Entfernung unter der menschlichen Hörschwelle.

Mehr dazu:

Windenergieanlagen, Infraschall und Gesundheit

Infraschall von Windanlagen: keine Gefahr für die Bevölkerung

Beitrag Uni Bayreuth

Infraschallquelle Wind

Fachagentur Windenergie

 

 

Windparks als Ursache für Trockenheit und Dürre

Windräder beeinflussen zwar das Mikroklima, verursachen aber nicht Dürreperioden oder Trockenheit.

Nein, Windparks verursachen nicht Trockenheit und Dürre

Wo sollen bloß all die Windräder hin?

In diesem Video räumt Prof. Volker Quaschning mit zahlreichen Vorurteilen und Irrtümern zum Thema Windkraft auf.

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